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Liebe Leserin, lieber Leser!

«Du warest mir ein täglich Wanderziel
Viellieber Wald, in dumpfen Jugendtagen,
Ich hatte dir geträumten Glücks so viel
Anzuvertraun, so wahren Schmerz zu klagen …»
So beginnt das Gedicht «Jetzt rede du!» von Conrad Ferdinand Meyer,* mit dem wir unsere Juli-Ausgabe in alle Himmelrichtungen senden – und das nicht nur, weil wir eine Reportage über den Wald im Heft haben.
In der zweiten Strophe überwindet der Dichter sich und seine Bedürfnisse und Befindlichkeiten und wendet sich ganz dem andern zu:
«Und wieder such ich dich, du dunkler Hort,
Und deines Wipfelmeers gewaltig Rauschen –
Jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort!
Verstummt ist Klag und Jubel. Ich will lauschen.»

Nicht nur gegenwärtig, da aber vielleicht gerade ganz besonders, ist die Kunst des Lauschens auf die Geschichte des Gegenübers wesentlich für unser Miteinander. Es gibt mehr als die eigene Sicht auf die Dinge. Es gibt Töne und Zwischentöne, mal wohlig und schön, mal schief und schaurig, die wir in unserem eigenen Rauschen manchmal jedoch überhören. Zusammen mit unseren machen sie aber erst den vollen Klang des Lebens aus.
Für den Gesamtklang unserer Juli-Ausgabe haben wir ganz in diesem Sinne viele Stimmen und Haltungen, Geschichten und An- sowie Einsichten zusammengetragen, die Sie zum Lesen und Lauschen anregen mögen.

Einen schönen Juli wünscht – im Wald und daheim,
herzlich

Maria A. Kafitz


* Im Juli gibt es zum «Waldesrauschen» in der Reportage auch ein «Waldeslauschen» in unserer Hörstation: Das Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer und zudem der «Eintritt» aus Robert Schumanns «Waldszenen, Opus 82». Viel Freude damit!

PS: Für alle, die unser Magazin noch nicht abonniert haben oder ein Einzelheft bestellen möchten: Infos finden Sie in unserer «fermate» (rechts auf der Seite).

Unsere Seiten im Juli:

editorial

Jean-Claude Lin

Cool Bleiben

im gespräch
Artikelbild

Aysel Osmanoglu im Gespräch mit Ralf Lilienthal

Geld ist ein gesellschaftliches Gestaltungsmittel

1974 als erste sozial-ökologische Bank der Welt in Bochum gegründet, weist die GLS Bank (www.gls.de) heute beeindruckende Zahlen vor: 250.000 Gesamtkunden und 35.000 Neukunden im Jahr 2019 sowie eine Bilanzsumme von 6,7 Milliarden Euro, bei 1 Milliarde Bilanzsummenzuwachs allein im Jahr 2019 – eine solche Dynamik ist selbst für unsere Interviewpartnerin Aysel Osmanoglu, Vorstandsmitglied der Bank, keineswegs selbstverständlich.
1977 in Bulgarien geboren, studierte Osmanoglu Volks- und Betriebswirtschaftslehre in Heidelberg und Frankfurt am Main, arbeitet seit 2002 für die GLS Bank und ist dort zuständig für Infrastruktur und IT. Die Grundidee, die Vision der Bank – das Geldsystem so zu verändern, dass Geld für die Menschen da ist, nicht umgekehrt – ist für Aysel Osmanoglu Herzensangelegenheit im Blick auf die zukünftige Generation und berufliche Erfüllung im Finden von innovativen Lösungen, und zwar bereits im Hier und Jetzt.
Foto: Wolfgang Schmidt

augenblicke
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Christian Kaiser (Text & Fotos)

Waldesrauschen

Tag für Tag bin ich unterwegs zwischen Ahrensburg und der Ostseeküste. Überall suchen meine Augen, sucht mein Objektiv nach einem Motiv in Variation: dem Baum. Mich treibt und trägt der Auftrag für «Baumland», ein bebildertes Buch über Bäume (im Juni im KJM Verlag neu erschienen: www.kjm-buchverlag.de).
Der Untertitel lautet: «Was Bäume erzählen» – ich habe versucht, ihnen mit meiner Kamera zuzuhören, und berichte hier von dem, was ich vernommen habe.

verweile doch …
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Brigitte Werner

Unbedingt!

In ihrer Kolumne beschreibt Brigitte Werner monatlich jene Momente, die das Leben im Kleinen zur großen Überraschung werden lassen – wenn man hinschaut, hinhört und aufmerksam bleibt. Die Autorin zahlreicher Bücher lebt und arbeitet im Ruhrgebiet und an der Schlei. Lassen Sie sich von ihren Geschichten – in der aktuellen durchstöbert sie ihre alten Zettel und Notizen und erinnert sich an manches, was vergessen schien – überraschen und schauen Sie auch mal auf ihrer Homepage vorbei www.brigittewerner.de oder auf der Seite des Verlages.

Foto: AndreasF./photocase.de

erlesen

Kent Haruf

Kleine große Welt

«Unsere Seelen bei Nacht», «Lied der Weite» und «Abendrot» (erscheinen in deutscher Übersetzung bei Diogenes) – gelesen von Michael Stehle

thema
Artikelbild

Martin Lintz

Ciaccona für Maria Barbara

Die traurige Nachricht über den Tod seiner Frau Maria Barbara, mit der er vier Kinder hatte, erfuhr der junge Kapellmeister Johann Sebastian Bach – er weilte in dieser Zeit im böhmischen Karlsbad – erst bei seiner Rückkehr am 7. Juli 1720. Und mehr noch – Maria Barbara wurde zudem in seiner Abwesenheit bereits begraben … Wir haben keine biographischen Be­­richte, wie Johann Sebastian Bach den Schmerz verarbeitete, aber wir haben die Zeugnisse seiner Musik, die uns Hinweise zu geben vermögen.

Foto: Casa del Jobo/photocase.de

mensch & kosmos

Wolfgang Held

Tanz der Planeten

Wolfgang Held richtet seinen Blick in den Kosmos und dabei zurück auf die Erde – und uns.

Er studierte Pädagogik und Mathematik und war viele Jahre Mitarbeiter in der Mathematisch-Astronomischen Sektion am Goetheanum in Dornach. Derzeit ist Beauftragter für Kommunikation und Autor zahlreicher Bücher: www.wolfgangheld.de

das gedicht

Hölderlin 7 / 12

Hälfte des Lebens

Ende Dezember 1803 schreibt Hölderlin an Friedrich Wilmans: «Ich bin eben an der Durchsicht einiger Nachtgesänge für Ihren Almanach.» Unter der Überschrift «Nachtgesänge» erscheinen neun «kürzere» Gedichte Hölderlins in dem Almanach «Taschenbuch für das Jahr 1805». Das Gedicht «Hälfte des Lebens» ist das «7.» unter den neun und wir veröffentlichen es im 7. Monat des Jahres.

kalendarium

Jean-Claude Lin

Juli 2020

Menschen und Ereignisse des Monats, Stern- und Planeten-Konstellationen sowie Gedanken zu und von den Jubilaren Hegel, Hölderlin und Beethoven.

der himmel auf erden

Grit Krüger

Hinter der Bühne

Der Himmel kann manchmal auch aus zwölf weißen Baumwollbahnen bestehen …

erfinder und visionäre
Artikelbild

Wolfgang Held (Text) & Daniel Seex (Illustration)

Rosalind Franklin: Das Geheimnis des Lebens

Das Stück sei hochaktuell, weil Frauen immer noch für ihre Stimme und ihre Identität kämpfen müssten. Das sagte vor fünf Jahren die Schauspielerin Nicole Kidman, als sie in London im Theaterstück «Photopraph 51» die englische Forscherin Rosalind Franklin spielte. Doch wer ist diese englische Forscherin, die nur 37 Jahre alt wurde und doch mit ihrer Entdeckung die Welt veränderte?

sprechstunde

Markus Sommer

Wie alles in uns zusammenhängt

100 Jahre Anthroposophische Medizin

warum ich ohne kafka nicht leben kann
Artikelbild

Elisabeth Weller

Sie war ein Sonntagshuhn

Clarice Lispectors Miniatur «Eine Henne»

Was die Literaturvermittlerin und Leiterin literarischer Salons sonst noch umtreibt, erfahren Sie unter www.elisabethweller.de

Foto: sör alex/photocase.de

sehenswert

Richard Steel

Wir sind alle ein wenig Kaspar Hauser geworden

Die Ansbacher Festspiele rufen zur zukunftsorientierten Begegnung auf. Einen Kulturtipp dazu gibt's bei uns im Magazin – das Programm finden Sie hier.

aufgeschlagen
Artikelbild

Kristina Müller

Falten und sich finden

Origami, das kunstvolle Falten von Papier, lässt nicht nur Schönes und Anmutiges entstehen, auch die Aufmerksamkeit und Konzentration, die Hingabe an eine Tätigkeit im Hier und Jetzt wird gestärkt. Innere Ruhe breitet sich aus und zarte Freude über das Geschaffene.
Für den Juli haben wir im Magazin für Sie aus dem Buch «Fold & Relax. Origami und innere Ruhe» von Kristian Müller den Stern zum Nachfalten ausgewählt, denn am 7. Juli wird das Sternenfest in Japan gefeiert. Der Legende nach treffen sich an diesem Abend die Liebenden Orihime und Hikoboshi, die vom Himmelsgott an die beiden Ufer der Milchstraße verbannt wurden und sich nunmehr ein einziges Mal im Jahr sehen. Am Vorabend des Festes werden Wünsche an Bambuszweige gehängt.

wundersame zusammenhänge

Einfach mal denken

Der Autor und Philosoph Albert Vinzens stellt sich und uns Fragen. Im Juli nun denkt er übers Denken nach – und über Peter Handke, den Nobelpreis sowie die begleitenden Diskussionen und darüber, dass jedes neue Buch von Handke im Grunde den immer gleichen Titel tragen müsste: «Denken».

literatur für junge leser

Frances Hardinge

Schattengeister

gelesen von Simone Lambert

mein buntes atelier

Daniele Drescher

Wie klingt eine Wiese?

kulturtipp
Artikelbild

Claus Meyer

Esst Salat!

In dieser Ausgabe geht's um Esskultur – und zudem gibt es ein Rezept (Knackiges Sommergrün mit Dressing nach Großmutters Art) von Claus Meyer, Mitbegründers des Kopenhagener Restaurants «Noma», das ab 2010 dreimal in Folge eine Auszeichnung als weltweit bestes Restaurant erhielt.

weiterkommen

Rudolf Steiner

Der Einschlag des Glücks

sudoku | preisrätsel

Jean-Claude Lin & Sebastian Hoch

Sudoku Square magic 137 & Bauwerke der Menschheit 7/12

tierisch gut
Artikelbild

Renée Herrnkind

Einfach mal sitzen! Oder doch lieber laufen?

Im Juli hinterfragt Renée Herrnkind sich und ihr Verhalten, das sich auf alles um sie herum überträgt. Auch auf Maalin, die Hündin und Lehrerin in Sachen Selbstkontrolle.

Franziska Viviane Zobel hat sich wieder eine passende Illustration dazu einfallen lassen.

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ad hoc

Maria A. Kafitz

Grenzwertig

Wenn überwunden geglaubte Grenzen auf einmal wieder da sind.